Am Anfang ist immer der Reiz 2. Teil

Hundeerziehung

Die Halter sind es, die den Reiz erst herstellen, wenn der Hund vom Halter aufmerksam gemacht wird auf etwas, was einen Reiz darstellt. In dem - buchstäblichen - Augenblick, in dem ein anderer Hund im Geruchs- oder im Gesichtsfeld auftaucht, ist der Reiz erst akut.

Doch der wahre Reizauslöser gedeiht schon vorher: im Kopf des Halters oder der Halterin. Sie äugen schon von weitem, ob da nicht doch ein neuer oder ein ganz bestimmter, vielleicht Angst auslösender Hund um die Ecke schießt. Just diese angespannte, ja oft nervöse Erwartungshaltung zementiert sich in unserer Körperhaltung - und die liest ein erfahrener, seinen Halter kennender Hund sofort. Die Erwartungshaltung überträgt sich auf ihn, oft genug mit der Anspannung der Leine. Ich spreche in diesem Zusammenhang oft vom Jo-Jo Effekt, ist Herrchen nervös, ist es der Hund natürlich auch.

Der Reiz ist aufs Äußerste gespannt. Eine Verkrampfung manifestiert sich. Der Hund ist dann - entweder durch Verteidigungsmotivation oder Angst - entsprechend geladen. Es braucht also nicht viel, um diesen "Dampfkesseldruck" zur Explosion zu bringen.

Es ist dabei nicht leicht, bei der Begegnung mit einem entspannten, souveränen Team aus Halter und Hund wieder sich zu entspannen. Übersprunghandlungen aus dem angestauten Affekt sind dann die Folge. Leichtfertige Hundehalter ignorieren diese Situation, und dann knallt es trotz eines im Verhalten gegenteiligen Gegenübers.

Diese Erfahrung setzt sich dann aber fort, sie wird als negatives Erlebnis gespeichert. Kommt am nächsten Tag dieses eigentlich doch entspannende Team wieder um die Büsche, wird die negative Erfahrung wiederholt und damit verstärkt.

Kommt von einem Hund nun auch doch das Drohfixieren (starrer Blick, wer standhält und wer dem Blick ausweicht), dazu, summieren sich die Explosionsgefahren. Oder einer weicht. Damit ist aber der Konflikt nur verschoben, nicht gelöst.

Die wenigsten Hunde durften es von diesen Haltern lernen, sich selber zu beschwichtigen, und ihre aufgeregten Halter zu deeskalieren. Schon, um selbst nicht beschädigt zu werden. Dazu müsste der Hund aber korrekt im Rang eingeordnet sein. Ist der Hund jedoch der Rudelführer (was leider oft genug vorkommt) - und dies geben die meisten Halter als Fehler nicht zu, ja, sie erkennen dies gar nicht als ihren Fehler, dann entscheidet der Hund als Führer des Rudels, wann, gegen wen es zu attackieren, vermeintlich zu verteidigen gilt. Dann können die Halter meist auch nicht mehr auf ihre Bosse am unteren Ende der Leine einwirken, sie werden von ihren Hunden schlicht nicht für voll genommen.

Beschwichtigen sich aber beide Hundehalter wirksam, auch durch körperlich sicheres Ausdrucksverhalten (u. a. offener, stabiler, nicht gebückter Gang, freie Atmung) und Sicherheit vermittelte Lautsprache - und damit auch zeitlich versetzt auch ihre Hunde, ist einer werdenden Hundefreundschaft fast nichts mehr im Wege.

Aber das sind dann wirkliche Souveräne, und die sind selten. Es reicht also nur einer, der den Reiz auslöst und verstärkt. Oft kommen dümmlicher Tierrassismus (mein Hund ist stärker als deiner) oder Minderwertigkeitsgefühl oder Hysterie (Hyperventilierer) dazu, bestens geeignet, um einen angestauten Aggressionsreiz zum Explodieren zu bringen. Geschrei ist dann noch das Sahnehäubchen auf diese Eskalation. Es ist eine Eskalation der vorbereiteten, also der erwarteten Angst und einer Bestätigung des Feindbilds.

Die doch sehr kindische Naivität: "alle Hunde sind Freunde" entspringt oft einem wirklichkeitsfremden Ideal vom Paradies, eben ein Märchen (wie alle Menschen keine Brüder sind), nicht selten nur der Faulheit, mit dem Hund ein Konflikttraining zu erarbeiten, oder ist glatte Rücksichtslosigkeit gegen andere. Die freilich ist die wirkliche Aggressivität, die dann über den Hund ausgelassen wird.

Kampf- und Rauf- und Beutefangspiele gehören zur Natur des Hundes und sie machen ihm Spaß, sie sind Gymnastik und Unterricht fürs Leben. Hier kann der Hundehalter eine Menge lernen. Hundebegegnungen finden nun mal statt, die mit Menschen gehen oft komplizierter aus als die ohne. Reize sind gut, der Mensch muss nur damit umzugehen lernen.

Bei weiteren Fragen zu diesem oder anderen Themen können Sie sich gerne an mich wenden: Ralf Lügger, Tel.: 02852/508582 oder 0160/5710898

Nun kurz noch etwas in eigener Sache. Ich suche für das Training eine Halle oder Scheune (ca. 200 – 400 m²) mit Wiese oder zumindest etwas Grün, so dass ich Sommer- und Wintertraining miteinander vereinbaren kann. Ich würde auch gerne einen Hof mieten/pachten. Wer hierzu eine Idee hat, kann sich ebenfalls gerne bei mir melden.

Autor: Ralf Lügger