Das Anbellen von Personen

Hundeerziehung

Streng zu unterbinden ist das Anbellen von Personen und das Verfolgen von laufenden Personen und Fahrrädern oder etwa Autos. Aus dem niedlichen Jagdspiel kann sich schnell das Beißen entwickeln, wenn der "frech" kläffende Hund von einem entnervten Passanten einen Tritt oder Schlag mit dem Spazierstock bekommt. Nötigen Sie niemanden, indem Sie in solchen Situationen "er will ja nur spielen!" oder "bleiben Sie stehen, damit er Ihnen nichts tut!" schreien. Sie machen uns Hundebesitzern nur noch mehr Feinde. Warum sollte jemand, der Hunde nicht mag, sich von unserem Hobby belästigen lassen? Manche Leute schlagen auch aus Angst nach dem Tier. Diese schlechte Erfahrung motiviert den Hund dann, Fremde tatsächlich bösartig zu begrüßen. Aus dem Bellen kann sich eine ernst gemeinte Jagdszene entwickeln, wenn die angebellte Person Angst bekommt und losrennt. Sie wird natürlich vom Hund eingefangen - mit Sicherheit nicht ohne böse Folgen. Autos nachzulaufen ist für den Hund immer lebensgefährlich.

In meiner Praxis wollten Kinder häufig mit meinen Hunden spielen, wurden dann aber ängstlich und provozierten so ihr Bellen. Ich musste eingreifen. Eine erste Mahnung "Ruh!" hat sie wenig beeindruckt. Ich bewegte mich zwischen ihnen und den Kindern und verjagte die Hunde. Wird nur geschimpft, kann diese Situation auf folgendes Missverständnis führen: Der Hund meint, "sein" schimpfender Mensch schimpft nicht ihn aus, sondern - wie er - die fremden Menschen an. Er erfährt ein gemeinsames Bellen. Das liebt er. Auch das Wegjagen kann als nettes Spiel missverstanden werden. Deshalb ging ich in solchen Situationen bald dazu über, den Befehl "Platz!" einzusetzen. Es ist oft ein Problem, in einer neuen Situation als Hundebesitzer spontan logisch richtig zu handeln! Ist man auf eine Situation vorbereitet oder hat man sie vielleicht sogar provoziert (Testsituation), ist es viel einfacher, geplant und vernünftig zu reagieren. Nach "Platz!" ist bei uns immer sofort Ruhe. Dieses Kommando unterbricht einfach alles. Außerdem wirkt der Platz haltende Hund kleiner und durch die Bewegungslosigkeit ungefährlich - das entschärft die Situation ungemein.

Ängstliche Menschen stoßen das Hormon Adrenalin in besonders hoher Konzentration aus und riechen damit für den Hund nach jagdbarem Wild oder einem angreifenden Feind, was Angriffsverhalten auslöst. Einer meiner Hunde hat vorübergehend die Unart gehabt, manche Fremde (selten Frauen) auch ohne ersichtlichen Grund anzubellen. Das Anbellen von Kindern war leicht in den Griff zu bekommen (s. Kap. Kinder). Das Anbellen von Erwachsenen konnte ich bei ihm nur durch strenges "Platz!" und an die Leine nehmen, später durch "Hier!" und "Fuß!" in den Griff bekommen, worauf er sein Gebell spontan beendete und eine Weile brav bei Fuß gehen musste. Bald kam er dann von selbst zu mir und begann ruhig bei Fuß zu bleiben, bis wir an dem fremden Menschen vorüber waren. Ich brauchte nichts mehr zu sagen und mittlerweile kommt er auch nicht mehr jedes Mal bei Fuß. Schwieriger war es, ihm das Eingehen auf die Provokation durch fremde, meist angeleinte Rüden abzugewöhnen. Bis ich in solchen Situationen "Fuß!" klar durchsetzen konnte, musste ich ihn, vor allem wenn er frei neben dem Fahrrad ging, so manches Mal mit den zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln am Vorauspreschen hindern. Das war nötig, weil mein Hund den provozierenden Rüden sonst angefallen hätte, was zumindest für sehr kleine Rüden gefährlich geworden wäre. Zum Ende seiner Welpenphase gab es zwei Situationen, in denen er sich aus dem Spiel heraus in eine Beißerei verwickeln ließ. Seither reagiert er auf jede Provokation empfindlich und ich weiß, welche Aggressivität in meinem Hund geweckt werden kann. Obwohl weder ihm noch seinem Gegner je etwas Ernsthaftes passiert ist, vermeide ich solche Rüdenkämpfe.

Das Anti-Dominanzprogramm in 3 Wochen

Woran erkennen wir dominantes Verhalten bei unserem Hund bzw. was machen wir falsch? Dieses Programm stellt lediglich eine zusätzliche Ergänzung zur Umkonditionierung von Fehlverhalten dar. Für ein grundlegendes Trainingsprogramm bedarf es zusätzlich der kompetenten Anleitung eines erfahrenen Trainers oder Problemhundeausbilders bzw. eines Tierverhaltenstherapeuten.

 Falsch ist

Er lässt sich mehrfach bitten oder ignoriert es völlig, wenn wir etwas von ihm wollen. Wohingegen wir seine Aufforderung zum Streicheln, Spielen, Füttern und Hinausgehen sofort bereitwillig befolgen.

 Richtig ist

Sie streicheln, spielen und Füttern den Hund nur dann, wenn Sie wollen, nicht wenn Ihr Hund dies möchte. Ignorieren Sie das Anstupsen mit der Nase und ähnliche Aufforderungen Ihres Tieres. Schicken Sie ihn hin und wieder einfach weg. Sie alleine bestimmen Zeit, Ort und Dauer der Zuwendungen, nicht der Hund. In den ersten 2 Wochen räumen Sie jegliches Spielzeug beiseite, er darf nur mit Ihnen spielen.

 Falsch ist

Er bestimmt, wo er im Haus liegen darf oder sich aufzuhalten hat, während niemand von uns ihm seinen Liegeplatz jemals streitig macht. Er geht uns voraus bei Türen und Treppen und springt aus dem Auto, sobald die Tür geöffnet wird.

 Richtig ist

Sie steigen nicht über Ihren Hund, wenn dieser mal wieder, am Boden liegend die Tür blockiert, sondern scheuchen ihn auf. Sie lassen Ihren Hund nicht zuerst aus der Tür laufen, da Sie dieses Vorrecht haben. Quetschen Sie ihn ruhig mal vorsichtig in der Tür ein. Sie suchen sich keinen anderen Platz nur weil Sie Ihren Hund auf dem Sessel schlafend nicht wecken möchten, sondern schuppsen ihn runter. Täglich wird er für mindestens 30 Min. auf seinen Platz verwiesen, wo er zu bleiben hat, bis wir ihm erlauben aufzustehen.

 Falsch ist

Er bekommt sozusagen als Erster seine Mahlzeit, wir haben uns, symbolisch mit dem zufrieden zu geben, was er uns "übrig" lässt, indem wir nach ihm essen. Er klaut herumliegende Nahrungsmittel, während er uns energisch vom Futternapf vertreibt und sich geraubte Nahrung nicht oder schwer wieder abnehmen lässt.

 Richtig ist

Füttern Sie ihren Hund zweimal täglich. Lassen Sie das Futter jeweils 15 Minuten stehen und nehmen Sie den Rest dann wortlos weg. Bevor er zum Futternapf darf, muss er sich in einigem Abstand davor erst hinsetzen oder hinlegen. Nach einigen Sekunden darf er auf unsere Genehmigung hin zum Fressnapf.

 Falsch ist

Er markiert außerhalb, und innerhalb des Hauses sein Territorium, wozu auch Unsauberkeit gehört.

 Richtig ist

Ein Hund, der auf seinem Platz liegen muss und dadurch unter ständiger Beobachtung ist, hat gar keine Möglichkeit die Wohnung zu verunreinigen. Ein Hund der frei in der Wohnung umherlaufen darf, nimmt sich irgendwann das Recht, sein Revier auch zu markieren.

 Falsch ist

Unterwegs hält er das Rudel zusammen, indem er mal hinter, mal neben, mal vor uns läuft und kaum zulässt, dass ein menschliches Rudelmitglied hinter der Gruppe zurückbleibt oder voraus ist.

 Richtig ist

Achten Sie darauf, dass Ihr Hund nicht vor Ihnen läuft, sondern immer ein Schritt hinter Ihnen bleibt. Zieht er dennoch voraus, stellen Sie sich vor das Tier und ermahnen ihn mit einem deutlichen NEIN. Halten Sie die Leine hinter Ihrem Rücken, so dass er keine Möglichkeit hat, voraus zu laufen. Hier kann man auch mit Halti, Flankengriff oder vor ihm Aufstampfen arbeiten.

 Falsch ist

Er beherrscht (dominiert) uns durch geschicktes Einsetzen von unterwürfigem Verhalten, dem wir viel zu oft nachkommen. Wir bemitleiden ihn und geben zu oft nach, wenn es um Leckerli, Zuwendung oder "etwas nicht tun müssen" geht.

 Richtig ist

Unterlassen Sie in den ersten beiden Wochen jede körperliche Zuwendung. In der dritten Woche können Sie ihn bei besonderen Leistungen kurz streicheln. Ansonsten loben Sie ihn durch Stimme und Spiel. Keine Leckerchen! Täglich wird der Hund 10-15 Minuten lang gebürstet und "untersucht". Dazu steht er auf einem Tisch und er soll sich nicht gegen die Prozedur wehren. Will er sich setzen oder legen, ziehen Sie ihn mit einem tiefen "Nein" in die Steh-Position zurück. Benutzen sie das Kommando "Steh" und korrigieren Sie ihn ruhig und freundlich. Ignorieren Sie sein mitleiderregendes Verhalten, auch wenn es schwer fällt. Er darf nicht ins Bett!

 Falsch ist

Er bestimmt, wohin das Rudel geht, das heißt, er zieht an der Leine und zieht sein Herrn/Frau hinter sich her, bzw. lässt sein Herrn/Frau warten, wenn er unterwegs etwas zu untersuchen gedenkt

 Richtig ist

Zweimal am Tag üben Sie mit ihrem Hund 10 Minuten eine Übung, die er kann, dann eine neue oder unsichere Übung und danach eine Übung, die er sicher kann. In der ersten Woche finden diese Übungen im Haus statt, in der zweiten und dritten Woche findet die zweite Übung im Rahmen des Spaziergangs statt. Das besondere Merkmal dieser Übungen ist, dass Sie sich vorher genau präpariert haben, was Sie mit ihm üben wollen. Die Übungen sollen flott aufeinander folgen und die Kommandos so gegeben werden, dass der Hund sie prompt und zügig befolgt. Zieht er an der Leine, wechseln Sie ohne Worte kurzerhand die Richtung bzw. bleiben Sie einfach abrupt stehen.

 Falsch ist

Er verteidigt unaufgefordert Territorium und sein Rudel gegen Artgenossen und fremde Menschen. Das macht ihn laut, störend und oft auch aggressiv.

 Richtig ist

Das steht dem Hund nicht zu, sondern nur Ihnen alleine. Nehmen Sie ihn an der Leine mit zur Tür und lassen ihn neben sich absitzen, öffnen Sie die Tür und begrüßen Sie die Fremden. Steht er auf und möchte zur Tür, ermahnen Sie ihn in der Sitzposition zu bleiben, bis Sie es ihm erlaubt haben, fremde Personen zu begrüßen. Alternativ weisen Sie Ihrem Hund seinen Korb zu.

 Falsch ist

Indem er fortläuft und nicht kommt, wenn wir ihn rufen, verhält er sich im Grunde genommen nicht anders als das Alphatier, das die Jagd einleitet.

 Richtig ist

Lassen Sie sämtliches Schreien und Herumbrüllen. Geben Sie alle Befehle mit ruhiger, tiefer Stimme und flüstern Sie, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Loben Sie ihn mit deutlich hellem Tonfall und lassen Sie alles überflüssige Lamentieren und Kommentieren. Kommt er nicht auf Ihre Zurufe, verwenden Sie eine 10m lange Leine (die so genannte Schleppleine) und ziehen Sie ihn zu sich heran, ob er will oder nicht. Grundsätzlich ist das Freilaufen immer eine Belohnung für das Tier d.h. nur wenn er auf alle Rückrufkommandos in kurzer Distanz an der Leine einwandfrei reagiert, erhält er beim nächsten Mal jeweils 1m mehr Freiraum.

 Falsch ist

Evtl. Übergriffe auf seinen Alphastatus wehrt er, als Akt der Selbstverteidigung, notfalls auch gegen seine menschlichen Rudelmitglieder ab.

 Richtig ist

Einmal täglich führen sie ihn an der Leine in einen Raum und lassen ihn absitzen. Dann treten Sie vor ihn und veranlassen ihn mit tiefer Stimme "Schau her" zu einem Augenkontakt von 4-5 Sekunden. Versucht er, an ihnen vorbei irgendwohin zu schauen, legen Sie ihre Hand unter seine Schnauze und heben seinen Kopf so zu ihnen hoch, dass er Sie anschauen muss. Mit einem freundlichen "Brav" verlassen Sie wieder den Raum und leinen ihn ab. Das Nachhelfen mit der Hand schränken Sie schnellstmöglich ein.

In der letzten Woche lösen Sie die bis dahin sterile Atmosphäre auf. Der Hund soll lernen, dass wir bestimmen, wann er was zu tun oder zu lassen hat, auch in frustrierenden oder unangenehmen Situationen Ihnen gehorchen. Er soll lernen, uns in jeder Situation zu vertrauen, weil wir ranghöher sind und ihm Sicherheit geben

Vertrauen — Verständigung — Rangordnung

Hunde erkennen einen Rudelchef nur vollständig an, wenn sie ihm uneingeschränkt vertrauen können. Bei einem Welpen oder Junghund kann ein einziges Erlebnis das Vertrauen empfindlich erschüttern. Ist allerdings in dieser Zeit ein gefestigtes Verhältnis zwischen Hund und Mensch entstanden, so ist das Vertrauen bei dem erwachsenen Hund nicht so schnell zu erschüttern.

Vertrauen schafft man beispielsweise durch Zuneigung, die man den Hund spüren lässt. Dies geschieht durch Blickkontakte, körperliche Zuwendung und Sprache. Ist das Vertrauen erfolgreich aufgebaut, so wagt sich der Hund, zusammen mit seinem Herrchen oder Frauchen auch an ungewohnte Aufgaben.

Signale erkennen und richtig deuten

Eine weitere wichtige Grundlage zum Umgang mit dem Hund ist die Verständigung. Problematisch ist hierbei, dass die meisten Hundeführer nur wenige Signale ihres Hundes wahrnehmen, erkennen und richtig deuten können. Die Sprache des Hundes setzt sich aus Signalen des Körpers, der Mimik, der Laute und der Gerüche zusammen. Abgesehen von den Gerüchen können Menschen an dieser Sprache gut teilnehmen.

Verständigung mit dem Hund

 Um die Signale zu erkennen, muss man präzise beobachten, denn diese sind komplex zusammengesetzt und sind immer in Verbindung mit der gegebenen Situation zu betrachten. Auch der Hund muss unsere Körpersprache in Verbindung mit den gesprochenen Worten lernen und er scheint dies besser zu beherrschen als es umgedreht der Fall ist. Der Hundeführer sollte seine Signale verständlich gestalten, also für bestimmte Aussagen immer dieselben Signale verwenden und auch auf die Antwort vom Hund richtig reagieren. Hunde können die menschliche Körpersprache sehr gut deuten, sie "wissen" in welcher Stimmung wir uns gerade befinden und reagieren darauf, indem sie sich unter Umständen dieser anschließen.

Die Familie - das Ersatzrudel

Im Ersatzrudel - der Familie - ist die Rangordnung ein wichtiger Aspekt. Der Hund lebt hier immer in der niedrigsten Position und folgt seinem Rudelchef. Dieser bestimmt wann und wohin die nächste "Jagd" führt, wann das Rudel gegen wen verteidigt werden muss und sorgt für die gesamte soziale Struktur der rangniedrigeren Mitglieder, also auch der Kinder in der Familie. Außerdem stehen ihm Privilegien zu. Er frisst zuerst, natürlich nur die besten Stücke und sucht sich den schönsten Schlafplatz aus.

 Die Rangordnung

Ist dieser von einem Rangniedrigeren belegt, muss dieser sofort weichen. Der Hund muss also sofort den Weg räumen, wenn ein Familienmitglied kommt. Viele Hundebesitzer haben Probleme mit ihrem Hund, weil sich dieser neben ihm oder über ihm einordnet. Das liegt unter anderem daran, dass die meisten Hundebesitzer mit der Erziehung ihres Hundes viel zu spät beginnen. Ist der Hund unsicher, wo er sich nun einzuordnen hat, so wird er dies herausfinden wollen. Das kann für den Mensch nicht nur lästig sein, sondern zu ernsthaften Auseinandersetzungen führen. Der Hund tut dies nicht um den Mensch zu "ärgern", sondern er empfindet es als Mangelzustand seine Position nicht zu kennen.

Sind Vertrauen, Verständigung und Rangordnung im Gleichgewicht, so kann man die gesetzten Regeln auch mal kurzzeitig außer Kraft setzen, ohne dass man wieder neu anfangen muss.

Ein voller Bauch studiert nicht gern

Bei allen Erziehungsübungen gilt grundsätzlich Folgendes zu beachten: sehen Sie von Erziehungsspielen ab, nachdem Ihr Hund gefressen hat, denn mit vollem Bauch steigt die Müdigkeit und die Konzentration nimmt ab. Geübt wird am besten, wenn Ihr Hund ausgeruht und aktiv ist. Die Übungseinheiten sollten nicht länger als 5-10 Minuten dauern. Beenden Sie das "Training" immer mit einem Erfolgserlebnis für den Hund, d.h. mit einer leichten Übung, die immer klappt. Beachten Sie auch, dass Sie der Boss sind und bleiben und daher bestimmen, wann gespielt wird und wann Lernübungen eingestreut werden. Werfen Sie Ihren Hund im Spiel ruhig ab und zu mal auf den Rücken und legen Sie ihm hin und wieder kurz die Hand um die Schnauze. Dies zeigt Ihrem Vierbeiner deutlich mit natürlichen Mitteln wie in einem Wolfsrudel, dass Sie in der Rangordnung über ihm stehen. Gerade Hunde, die zur Dominanz neigen, kann man mit diesem Verhalten gut an ihre rangniedrigere Position im Mensch-Hund-Rudel erinnern. Vor allem in der Flegelphase wird Ihr Junghund öfters verbotene Dinge anstellen, die eine Zurechtweisung des kleinen Knirpses verlangen. Oft genügt hier schon ein strenges "Nein" oder "Pfui". Schicken Sie ihn außerdem sofort in sein Körbchen und beachten Sie ihn eine Zeitlang nicht. Besonders aufmüpfige Kerle können Sie blitzschnell mit der Hand am Nacken packen und kurz nach unten drücken. Dies entspricht dem Nackenbiss nach Wolfsart oder, Sie umfassen kurz seine Schnauze.

Spiel und Spaß mal zwei

Seien auch Sie nicht zu ängstlich um Ihren Vierbeiner, denn Ihre Angst überträgt sich auf Ihren kleinen Liebling und hemmt ihn dadurch in seiner normalen Entwicklung. Selbst, wenn manche Hundebegegnungen grob aussehen, sind sie in den meisten Fällen harmlos.

In jedem Hund steckt ein Hauch von Wolf.

Heutzutage gibt es über 400 Hunderassen. Doch mögen sie äußerlich auch noch so unterschiedlich sein, eines haben alle gemeinsam, nämlich ihren Ahnen, den Wolf. Seit fast 15000 Jahren ist der Hund dem Menschen ein treuer Begleiter. Über diese Jahrtausende hindurch, sind bei Chihuahua, Pudel, Dogge und Co. viele wolfstypische Verhaltensweisen erhalten geblieben. Leider wird dies jedoch schnell vergessen. Und so gibt es immer noch Missverständnisse zwischen Mensch und Vierbeiner, die "Bello" schnell zu Unrecht in die Schublade eines Problemhundes wandern lassen. Vom Wolf als klassisches Rudeltier hat der Hund die Bereitschaft zur Integration in eine Gemeinschaft und zur Anerkennung eines Rudelführers geerbt. Wegen seiner hervorragenden Lernfähigkeit kann sich ein Hund sehr gut an verschiedene Lebensbedingungen anpassen. Trotzdem ist bei einigen Vierbeinern der "Teamgeist" nach wie vor so stark ausgeprägt, dass sie beispielsweise extreme Probleme mit dem Alleine bleiben haben. Aufgrund ihrer "beruflichen" Bestimmung gibt es sogar Rassen, die hierfür besonders prädestiniert sind. Wegen ihrer besonders starken Bindung zum Menschen seien hier z.B. Jagdhunde im Allgemeinen und Beagle (=Meutehunde) im Besonderen genannt.

Jeder Hund braucht sein Rudel

Als Rudeltier braucht ein Hund also wie ein Wolf die soziale Gemeinschaft. Natürlich ist es nicht nötig, sich deswegen nun ein ganzes Hunderudel anzuschaffen. Ein Hund akzeptiert als Rudel auch die menschliche Familie oder selbst eine Einzelperson. Das wichtigste für den vierbeinigen Mitbewohner ist nur ein fester Platz in der Gemeinschaft, der ihm Sicherheit und Selbstvertrauen gibt. Dabei braucht ein Hund ein Leittier, nämlich den Menschen, der ihn konsequent und bestimmt an klare Regeln bindet. Inkonsequenz betrachtet der Hund meist als Aufforderung zur rudelinternen Kraftprobe. Der Verursacher Mensch stempelt ihn inkonsequenterweise stattdessen als "Problemfall" ab.

 Soziales Leben will gelernt sein

Ebenfalls sehr wichtig ist vom Welpenalter an der regelmäßige Kontakt mit Artgenossen. Greifen Sie daher nicht in das manchmal wilde, aber spielerische Kräftemessen der Hunde ein. In solchen Kampfspielen trainieren sie Angriff, Verteidigung und Unterwerfung und lernen dabei soziale Anpassung und Verträglichkeit. Als Jagdersatz braucht jeder Hund gezielte Spiele, die ihn körperlich fit halten und geistig fordern.

Schutzinstinkt für die Nachkommen

Hündinnen sind unter ihresgleichen oft sehr unverträglich. Ein Verhalten, das im Schutzinstinkt für die eigene Nachzucht seinen Ursprung hat. Auch Wölfinnen sehen jedes andere weibliche Tier in ihrem Revier als Rivalin an, da sie ihr sowohl den Partner, als auch die notwendige Nahrung für die heranwachsenden Welpen abspenstig machen könnte. Daher kann ein Kampf unter Wölfinnen sogar bis zum Tod einer der beiden Tiere führen. Die Aggressivität gegenüber fremden Hündinnen ist also kein Extremfall, sondern eigentlich ein ganz normales, instinktives Verhalten.

Kräftemessen unter Rüden

Bei Rüden hingegen geht es in der Regel nur um Machtkämpfe, die unter viel "Getöse" meist reine Überlegenheitsdemonstrationen sind. Dieses Kräftemessen zielt bei normal sozialisierten Rüden jedoch nie darauf ab, den Gegner zu verletzen oder gar zu töten. Allerdings kann es schwierig sein und unter Umständen auch blutig werden, wenn ein fremder Rüde in das Territorium eines anderen Rüden eindringt. Auf neutralem Gelände (Spazierweg) sind Rüdenkämpfe nach dem Motto "Viel Lärm um nichts" in der Regel harmlos.

 Mein Revier und dein Revier

Ein weiteres wölfisches Erbe liegt dem Markieren unserer Hunde zugrunde. Es dient dazu, die Grenzen des eigenen Territoriums abzustecken. Durch das möglichst hohe Absetzen von Harn soll die Duftmarke eines Artgenossen überdeckt und so das eigene Revier erweitert werden. Je höher dabei das Bein gehoben wird, umso dominanter zeigt sich der Vierbeiner. Ein Verhalten, das auch bei Hündinnen zu beobachten ist.

Zusammengefasst: allgemeine Regeln zur Erziehung

  • Ein Hund ist ein soziales Wesen - wie wir Menschen. Er braucht den Kontakt zu Artgenossen und ist darauf angewiesen, eng im Bereich seiner Menschen zu leben. Zwingerhaltung wird diesem Bedürfnis in der Regel nicht gerecht und geht immer zu Lasten der Mensch-Hund-Beziehung.
  • Der Hund ist ein Beutegreifer/Jäger. Erziehen Sie ihn so, dass er Radfahrer, Jogger und Kinder nicht belästigt (hetzt, verbellt, anspringt). Unterbinden Sie, dass Ihr Hund Katzen, Enten und andere Tiere hetzt.
  • Ermöglichen Sie Ihrem Hund täglich Auslauf ohne Leine. Er braucht ausreichende Bewegungsmöglichkeiten, um ein angenehmer Begleiter seines Menschen zu sein. Ein Gassigang um den Häuserblock reicht auch dem kleinsten Hund nicht.
  • Gestatten Sie ihrem Vierbeiner von Welpenbeinen an viele Begegnungen mit Artgenossen ohne Leine. Nur so lernt er die Regeln der Hundesprache zu verstehen - und anzuwenden.
  • Hunde reagieren an der Leine oft aggressiver als ohne, da diese einen unbeschwerten Kontakt (beschnüffeln, umkreisen, Beschwichtigungs- oder Dominanzgesten zeigen) erschwert.
  • Hunde wurden in der Vergangenheit für bestimmte Arbeiten gezüchtet (Wächter, Herdenschutzhunde, Jagdhunde usw.) Ihre Arbeitseigenschaften werden heute zumeist nicht mehr benötigt. Sie sollen vor allem friedliche ausgeglichene Familienhunde sein. Um diese Aufgabe ausfüllen zu können, bieten Sie Ihrem Hund als Ausgleich unterschiedliche Möglichkeiten der körperlichen und geistigen Beschäftigung.
  • Die Unterbringung eines Hundes (auch eines großen) in einer Wohnung ist möglich, wenn seine Bedürfnisse nach ausreichend Auslauf und nach Beschäftigung erfüllt sind. (Fragen Sie Ihren Vermieter, ob Hundehaltung in Ihrem Haus erlaubt ist.) Dagegen reicht einem Hund nicht, sich ausschließlich im Garten aufhalten zu müssen. Der tägliche Auslauf ohne Leine ist durch nichts zu ersetzen.
  • Kleine Hunde brauchen für ein harmonisches Zusammenleben in der menschlichen Gemeinschaft nicht weniger Erziehung als große. Auch sie brauchen Kontakt zu ihresgleichen, um die Hundekommunikation zu erlernen.
  • Machen Sie Ihrem Hund klar, Sie sind der Bestimmer. Eine feste und eindeutige Rangordnung ermöglicht ein geordnetes und harmonisches Zusammenleben in der Gruppe. Eine klare Rangordnung bietet dem Hund Sicherheit.

Dominanz und Vertrauen sind die Grundlagen der erfolgreichen Hundeerziehung und untrennbar miteinander verbunden.

Dominanz ohne das Vorhandensein von Vertrauen verkommt zur bloßen Autorität. Ein Hund kann auch unter der Anwendung von reiner Autorität lernen, es wird ihm aber niemals Freude bereiten. Somit wird er versuchen dem Lernen und dem Arbeiten auszuweichen (Meideverhalten) und ihm gestellte Aufgaben nur durch die Anwendung von Zwang erledigen.

Soll ein Hund aber künftig seine Aufgaben mit Freude verrichten, ist es unerlässlich erst mal eine Vertrauensbasis zu schaffen. Diese Vertrauensbasis wird normalerweise durch die tägliche Zuwendung aufgebaut. Man füttert, streichelt, redet und spielt mit dem Hund.

Mit unseren Hunden zu spielen ist dabei außerordentlich wichtig!!!!

Im Spiel werden alle Sinne des Hundes gleichzeitig angesprochen und er lernt, wie im Spiel mit seinesgleichen, unsere Körpersprache, unsere Lautäußerungen und den engen Körperkontakt zu uns kennen. Vorausgesetzt man lässt sich wirklich auf ein offenes, freies Spielen mit dem Hund ein.

Immer wieder fällt mir bei meiner Hundeschularbeit auf, dass es anscheinend wirklich große Überwindung kostet, wirklich ausgelassen mit einem Hund zu spielen. Das liegt wohl an unserer Erziehung.. .. ein erwachsener Mensch rennt nicht über eine Wiese, klatscht dabei vielleicht noch ausgelassen in die Hände,  wirft einen Ball, balgt sich um ein altes Handtuch, lacht und ruft: "Hey, hey, hey!", als Aufmunterung, lässt sich von seinem Hund, nicht die gute wetterfeste Markenjacke und Hose versauen etc. etc.  Mal ehrlich: Warum eigentlich nicht? Ein Hund kann unsere Hemmungen in dieser Hinsicht nicht verstehen! Wehren wir den Hund ab, um nicht schmutzig zu werden, trippeln oder schreiten wir mit grazilen Schritten über die Spielwiese und können wir unseren Hund nicht mit unserer Stimme vermitteln, dass auch uns das Spielen Spaß bereitet, sind wir in seinen Augen ganz klar :

Ein (gehemmter) Langweiler - verständlicher Weise wendet der Hund sich dann interessanteren und spannenderen Dingen zu und lässt uns "eiskalt stehen". 

Also bitte- warum nicht mal mit dem Hund auf dem Fußboden liegend balgen, mal um das Fensterleder kämpfen, oder auf der Wiese fangen spielen, wenn es doch keine einfachere und schönere Möglichkeit gibt mit seinem Hund auf s e i n e Weise zu kommunizieren, Spaß zu haben und  -ganz wichtig -> eine positive Erwartungshaltung zu fördern?

Schaffe ich es auf diesem Weg eine positive Erwartungshaltung zu erreichen, welche den Hund fragen lässt: "Was passiert gleich?", habe ich auf einfache und schöne Art seine Aufmerksamkeit. Ein aufmerksamer Hund ist auch bereit zu lernen.

Der Hund, welcher nur gestreichelt, gefüttert und umsorgt wird, fühlt sich zwar wohl, aber er erwartet nichts Spannendes, nichts Aufregendes vom Menschen und somit wird für ihn alles Andere, jede Ablenkung, interessanter sein als wir.

Also noch mal: Lassen Sie sich bei jeder Gelegenheit, die sich im Alltag bietet auf das Spielen mit Ihrem Hund ein. Es ist schön und sehr wichtig!

Eine Spielregel sollte es allerdings geben: Immer sollte es der Hundeführer sein, der das Spiel beginnt und der das Spiel beendet.

Der "Rudelführer" würde sehr gereizt reagieren, wenn er ewig zum Spiel aufgefordert würde, wenn er keine Lust hat. Wie immer sollten wir uns auch hier am natürlichen Verhalten im Hunderudel orientieren. Deshalb ein ganz klares und wenn notwendig nachdrückliches "NEIN!" , wenn der Hund nach dem Spielzeug quengelt und Sie gerade mit Besuch am Kaffeetisch  sitzen.
Zum anderen sollten Sie das Spiel beenden (...gerade wenn´s am schönsten ist) bevor der Hund keine Lust mehr hat. Die Freude und die Spannung auf das nächste Spiel bleiben so unvermindert hoch. Der positive Nebeneffekt, das der Mensch sagt wann gespielt wird und wann nicht, ist der, dass man seinem Hund ohne ein einziges hartes Wort, oder Strafe klarmachen kann, wer der "Chef" ist.

Die "Privilegien" eines Rudelführers zu spielen, zu liebkosen, zu füttern etc. w a n n   s i e  

e s   w o l l e n ist eine Art von Dominanz, die ein Hund keineswegs als unangenehm empfindet. Im Gegenteil er wird sich vertrauensvoll an Sie lehnen und (er-)warten, was Sie von ihm möchten. Wie sich der Hund auch im natürlichen Rudel nach dem Rudelführer und der eigenen Rangfolge richten würde. Denn dann ist für den Hund die Welt in Ordnung.

Es gibt für einen Hund nur zwei Möglichkeiten zufrieden zu leben: 1.) er wird dominiert 2.) er dominiert

Bieten sich für den Hund Chancen zu dominieren wird er sie (ganz natürlich) auch nutzen. Das geschieht oft ganz unterschwellig.

Z.B. wenn man beim Betteln nach Spielzeug, dem Spaziergang, oder dem Futter schließlich und endlich doch nachgibt (....man will ja auch mal seine Ruhe haben.....- wird sie aber so 100% niemals bekommen). Der Hund seinen Lieblingsplatz mit Knurren verteidigen darf (....na ja, ich kann mich auch woanders hinsetzen......- der in der Rangfolge unterlegene Hund würde dieses schließlich auch tun) und man schließlich auch noch vom Futternapf gebührend Abstand halten muss (...schließlich braucht ja der Hund auch Ruhe zum fressen.... -schon mal gesehen wie gemütlich, ruhig und gesittet es bei Wolfens zu Tisch zugeht?) - Nein, spätestens wenn solche Dinge passieren habe ich mir als Rudelführer "den Rang ablaufen lassen" und muss zusehen das schnellstens wieder zu ändern, da ansonsten wirklich ernste Probleme entstehen!

Hunde die oben beschriebene Verhaltensmuster an den Tag legen sind auch keineswegs als "undankbar" zu bezeichnen!! Ich höre das wirklich sehr oft von Menschen, die wirklich aaaallles für ihren Hund tun (...und jetzt macht er das!....). Nein, er ist nicht undankbar, er

m u ß sich seinem natürlichen Verhalten nach so benehmen.

Es ist wichtig vorher zu überlegen was der Hund darf und was nicht. Was einmal erlaubt ist sollte für immer erlaubt sein und Verbotenes sollte verboten bleiben- ihrem Hund zuliebe. 

Gönnen Sie Ihrem Hund und sich die Ruhe und Zufriedenheit einer festen Ordnung, wie die eines Hunderudels.

Schaffen Sie Vertrauen und dominieren Sie - und der Weg zu einer erfolgreichen Hundeerziehung ist geebnet.