Keine Angst – ich bin nur ein „Kampfhund“

Kampfhund – ein Wort, das bei der bloßen Erwähnung vielen Menschen kalte Schauer über den Rücken laufen lässt. Ein Kampfhund, das ist eine menschenzerfetzende Beißmaschine, deren Lebensinhalt Aggression und Kampf ist und deren Tag nur dann schön wird, wenn sie mind. ein Kind und einen Rentner gebissen hat!

Ist das wirklich so? Sind „Kampfhunde“ eine grundsätzliche Gefahr für die Öffentlichkeit und muss man vor Ihnen Angst haben?

Bevor man auf diese Fragen eingeht, muss man generell klären, was ein „Kampfhund“ eigentlich ist. Der Begriff „Kampfhund“ stammt einzig und allein aus dem Volksmund. Ebenso wie man auch jedes Papiertaschentuch mit dem Begriff „Tempo“ kennzeichnet, werden Hunde, denen vom Gesetzgeber eine gewisse „Grundgefährlichkeit“ unterstellt wird, generell als „Kampfhunde“ bezeichnet. Das hier in der Öffentlichkeit ein falsches Bild davon vorherrscht, was ein „Kampfhund“ wirklich ist,  zeigen Umfragen der einzelnen Bundesländer. Auf die Frage: „Was ist ein Kampfhund?“ antworten fast 95% der Befragten mit der Aufzählung einzelner Rassen. Die Favoriten sind dabei der Pitbull, der Staffordshire und der Rottweiler. Generell lässt sich festlegen, dass es „den Kampfhund“ nicht gibt. Die Bezeichnung „Kampfhund“ bezieht sich auf eine, so schlimm das auch ist, dies sagen zu müssen, „Berufsbezeichnung“, ähnlich wie Wachhund oder Rettungshund. Als „Kampfhund“ lässt sich derjenige Hund bezeichnen, der von sehr einfach gestrickten Menschen zu deren „Belustigung“ in den Kampf mit anderen Hunden geschickt wird, damit diese Menschen ihre persönliche Unzulänglichkeit irgendwie über den „Sieg“ ihres Hundes kompensieren können. Die Hunde, die von uns aber generell mit Kampfhund „beschimpft“ werden, zählen, wenn überhaupt, zu den sog. Gefahren – oder Listenhunden. Diesen Hund wird, wie bereits oben erwähnt, vom Gesetzgeber eines gewisse „Grundgefährlichkeit“ unterstellt.

Neben den sog. „Rasselisten“ der einzelnen Bundesländer gibt es Hunde, die generell in ganz Deutschland auf der Liste stehen und bei denen Zucht, Verkauf und Import generell verboten sind. Dies sind: Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier (nicht zu verwechseln mit dem Miniature Bullterrier – dieser zählt nicht dazu). Tatsächlich sind gerade diese Hunderassen einstmals zum Einsatz als „Kampfhund“ gezüchtet worden. Der American Pittbull wurde dafür gezüchtet, in einer bestimmten Geschwindigkeit Ratten zu töten, so dass man darauf wetten konnte, wie lange dies dauert. Er wurde ebenfalls in den sog. „Pit´s“, woher er auch seinen Namen hat, dafür eingesetzt, um gegen andere Hunde zu kämpfen. Hauptsächlich war dies in England und Irland der Fall. Mit dem Verbot von Tierkämpfen im Jahr 1835 verlor der Pitbull, ähnlich wie seine Leidensgenossen, seine „Arbeit“, gewann aber zwischen 1898 und 1909 immer mehr Popularität in Amerika bei Hundeausstellungen oder bei Gewichtziehwettbewerben. Vorerst als „Yankee Terrier“ bezeichnet, etablierte sich weit nach dem Ursprung der Rasse als „Kampfhund“ der Name American Pitbull Terrier im Jahr 1936 durch Anerkennung als eigenständige Rasse im American Kennel Club (AKC). Zwischen Anerkennung als Zuchtrasse und den letzten, auf Kampf ausgerichteten Zuchten liegen mehr als 100 Jahre, dennoch ist der Pitbull seinen Ruf als „Kampfhund“ nie wirklich losgeworden. Ein Schicksal, welches er mit seinen „Kollegen“ aus der Reihe der „bullenartigen Terrier“ teilt.

Geschichtlich gesehen sind Pitbull und Co. eigentlich die viel harmloseren Hunde. Sie wurden gezüchtet, um gegen andere Tiere, insbesondere Hunde zu kämpfen. Bei anderen Hunderassen sieht das schon anders aus, so wurde der Dobermann z.B. dafür gezüchtet um dem Züchter, einem Herrn Dobermann, welcher als Steuereintreiber diente, bei seiner täglichen Arbeit zu helfen und Menschen Angst zu machen. Auch der Schäferhund wurde eine sehr lange Zeit dazu gezüchtet, um z.B. Minen unter feindlichen Panzern zu deponieren, um so Menschen zu töten.

Auch alle Statistiken zu Beißvorfällen weisen nur ganz selten einen Beißvorfall mit einem „Gefahrhund“ aus. Hier sind die vordersten Plätze viel mehr belegt von Hunden, denen man dies gar nicht zutrauen würde wie z.B. dem Golden Retriever oder dem Deutschen Schäferhund.

Warum also haben Pitbull und Co. einen so schlechten Ruf?

Im Grunde war es ein „blöder Zufall“ der dazu führte, dass diese Hunde auf der Gefahrhundeliste landeten. In Zeiten als Beißvorfälle mit Hunden in den Medien immer stärker ausgeweidet wurden, musste die Politik reagieren, um den Bürger, der sich und seine Familie durch diese Hunde massiv bedroht sah, „ruhig“ zu stellen. Da es für eine Zeitung natürlich eine viel größere Auflage verspricht, wenn es in der Überschrift um einen „Bösen Kampfhund“ und nicht um einen Pekinesen geht, der ein Kind gebissen hat, blieben diese Fälle innerhalb der Bevölkerung in Erinnerung. Das in der gleichen Zeit viele Menschen vom Deutschen Schäferhund, von dem aufgrund völlig veralteter Ausbildungsmethoden in sog. Hundesportvereinen eine viel größere Gefahr ausgeht, gebissen wurden, fand in den Medien schlichtweg keine Erwähnung. Dies mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass Pitbull und Co. lange Zeit von einer bestimmten Klientel gehalten wurden und auch oftmals gezielt von diesen Leuten als „Machtinstrument“ missbraucht wurden. Es ist einleuchtend, dass ein Bericht über einen Pitbull, dessen Halter ein südländischer Zuhälter ist, natürlich mehr Aufsehen erregt als der Biss des Schäferhundes Hasso von Rentner Meier.

Unbestreitbar steht jedenfalls eines fest. Kein Hund, egal ob Pitbull oder Pinscher ist von Natur aus böse. Auch ist Aggression nicht vererblich, sondern eine rein anerzogene Verhaltensweise, die auf einer mangelhaften Entwicklung eines Individuums als Ganzes beruht. Ein Pitbull ist von Geburt an nicht bösartiger oder gefährlicher als ein anderer Hund. Sog. Kampfhunde erfüllen manche spezifische Eigenschaf,t die sie vielleicht etwas besser in die Lage versetz,t einen Kampf gewinnen zu können (sehr ausgeprägte Muskulatur, breiter Kopf und dementsprechender Biss, keine Schmerzrezeptoren im Zahnbereich, etc.) das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass ein solcher Hund generell kämpfen muss oder gar will.

Grundsätzlich steckt in jedem Hund das Potenzial, ein „Kampfhund“ zu sein, ebenso wie in jedem Menschen das Potenzial steckt, einen anderen Menschen zu verletzen. Dies ist aber keine Frage der Rasse sondern viel mehr eine Frage des sozialen Umfeldes. Der Hund selbst kann sich ausschließlich zu der Persönlichkeit entwickeln, deren Entwicklung wir als Mensch den Weg frei machen. Der Hund reagiert lediglich auf unsere Aktion und somit haben wir es in der Hand, aus jedem Hund, egal welcher Rasse, einen sozialverträglichen Alltagspartner zu machen.

Glücklicherweise distanzieren sich immer mehr Bundesländer von der Rasseliste, so dass „nur noch“ Hunde als gefährlich gelten, die dem Gesetz folgend als solche einzustufen sind, und in den wenigsten Fällen findet man hier einen Pitbull und Co.

Viele gute Hundezüchter und Liebhaber dieser tollen Hunden haben einen steinigen Weg zurückgelegt, um das Image dieser Hunde zu verbessern, und der Hund selbst hat uns nie einen Anlass gegeben, ihn zu Hassen oder zu verurteilen. Denken Sie beim nächsten Aufeinandertreffen mit einem „Kampfhund“ daher genau nach, ob Sie den Hund danach beurteilen wollen, was die Gesellschaft behauptet, oder, ob Sie ihm nicht vielleicht doch die Chance geben wollen, ihn als das zu sehen, was ist er, ein Hund – des Menschen bester Freund!

Timo Haupt
PET e.V.
www.pet-tierschutzverband.de